Wie vermeide ich die Rehe?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich erst einmal mit der Frage auseinandersetzen, was überhaupt Auslöser für den Reheschub eines Pferdes ist. Beschäftigt man sich näher mit diesem Thema, findet man schnell einen laienhaften Überblick darüber, welche unterschiedlichen Arten von Rehe es gibt.

Bevor wir näher auf die einzelnen Ursachen eingehen, möchten wir betonen, dass an dieser Stelle keine wissenschaftlichen Erklärungen abgegeben werden können, weil wir keine Mediziner oder Wissenschaftler sind. In unserer Absicht liegt es, den einzelnen Pferdehalter für dieses Thema allgemein zu sensibilisieren und uns dadurch vielleicht gelingt, einem Pferd grundsätzlich die Bekanntschaft mit Rehe zu ersparen.

Vorweg: Eiweiß ist nicht, wie jahrelang vermutet, Ursache für einen Reheschub bei einem Pferd!

Allgemein hört man im Zusammenhang mit Rehe bei Pferden immer wieder folgende Begriffe:

  • Futterrehe

  • Geburtsrehe

  • Belastungsrehe

  • Vergiftungsrehe

Genau genommen gibt es aber nur drei Hauptursachen für Rehe, nämlich

  • Rehe durch Vergiftung

  • Rehe durch Belastung

  • Rehe durch Vorerkrankung

 

Rehe durch Vergiftung

Diese Art der Rehe ist am meisten verbreitet, weil die Form der Vergiftung so vielfältiger Herkunft sein kann. An dieser Stelle nennen wir einige Beispiele.

Giftpflanzen, Pilze, Pilzsporen: Eine genaue Kontrolle der Futtermittel, also auch Weide, Heu kann hier nur empfohlen werden.

Impfungen oder Wurmkuren: Tritt eher selten auf. Regelmäßige Wurmkuren halten den Wurmbefall in Maßen. Dadurch reguliert sich die Zahl der abgestorbenen Parasitzen auf eine für den Organismus akzeptable Anzahl und es kommt zu keiner Störung

Medikamente: Leider lösen auch einige Medikamente Rehe aus. Es gibt Hinweise darauf, dass Cortison ein möglicher Auslöser sein kann.

Infektionen durch Nachgeburt, auch genannt Geburtsrehe: Kleine Teile der Nachgeburt bleiben nach dem Fohlen in der Gebärmutter zurück. Es kommt zu einer bakteriellen Zersetzung dieser Überbleibsel, die als Giftstoffe in das Blut gelangen und eine Rehe auslösen können.

Fütterungsfehler, auch genannt Futterrehe: Hier handelt es sich um die am weitesten verbreitete Ursache für eine Vergiftungsrehe. Grob umrissen kann ein zu viel von Kohlenhydraten (Zucker, Stärke, Fruktan) einen Reheschub auslösen.

Einige Beispiele seien hier genannt, die eine Übersäuerung des Verdauungstrakts auslösen und dazu führen können, dass Giftstoffe in das Blut des Pferdes gelangen:

  1. Zu viel Getreide und zu wenig Raufutter

  2. Zu viel kaltes Wasser

  3. Zu viel Weidezeit bei Witterungsstress von Weidepflanzen

Was fällt sofort auf? Es ist immer „zu viel“. Alles, was in großer Menge auf den Organismus des Pferdes einströmt und nicht verarbeitet werden kann, kann zu Störungen im Verdauungstrakt führen. Pauschal gesagt: Kann der Organismus diesen Überfluss nicht abbauen, landen Giftstoffe in der Blutbahn und können einen Reheschub begünstigen.

Was kann man als Pferdehalter dagegen tun? Darauf achten, dass es nicht zu einem „zu viel“ kommt. Unsere eigenen Erfahrungen mit reheanfälligen Tieren:

  • Futter muss grundsätzlich so aufbewahrt werden, dass sich ein Tier nicht aus Unachtsamkeit selber bedienen kann. Die für nötig befundene Getreideration genau bedenken und es nicht „zu gut meinen“.

  • Auch im Winter darauf achten, dass ein Pferd regelmäßig Wasser aufnehmen kann oder auch wärmeres Wasser im Eimer anbieten, damit es nicht vor Durst eine zu große Menge kalten Wassers aufnimmt.

  • Das Anweiden erst beginnen, wenn das Gras genügend gewachsen ist. Grundsätzlich keine Weidezeit, wenn kalte Nächte einem sonnigen Tag vorausgehen (Bemerkung: Zum Thema Witterungsstress von Pflanzen nehmen wir am Ende noch einmal kurz Stellung). Langsames Anweiden im Frühjahr. Beginnend mit 5-Minuten- Abschnitten am Führstrick und langsam steigend. Ein Rehepferd darf bei uns auch im Hochsommer nie länger als 1,5 Stunden auf die Weide.

Rehe durch Belastung

Eine Überbelastung eines Hufes kann dazu führen. Oftmals ausgelöst durch lange Ritte auf hartem Boden.

Möglich ist aber auch eine Belastungsrehe durch eine Schonhaltung, weil ein anderes Bein verletzt ist. Dadurch wird der gesunde Huf einer zu großen Belastung ausgesetzt und reagiert darauf.

Und sogar langes Stehen im Stall kann zu einer Belastungsrehe führen. In freier Natur steht ein Pferd fast nie sehr lange auf einem Fleck. Steht es nun, aus welchen Gründen auch immer, lange Zeit im Stall, kommt die Blutzirkulation durcheinander und es kann zu einer Belastungsrehe kommen.

Rehe durch Stoffwechselerkrankungen

Bei Pferden, die an Erkrankungen wie Metabolisches Syndrom oder Cushing leiden, geht oft auch eine Reheerkrankung einher.

Bemerkung zum Witterungsstress von Weidepflanzen:

Fruktan wird immer wieder als Auslöser von Reheschüben genannt. Wir wissen nicht, ob es tatsächlich so ist oder nicht, haben uns aber auch mit dem Thema beschäftigt und konnten unser Rehepferd seit Jahren damit vor weiteren Schüben bewahren, indem wir nur das Wetter beobachtet haben und davon abhängig machen, wann Weidezeit ist und wann nicht.

Sehr hohe Rehegefahr besteht, wenn das Gras am Wachsen gehindert wird, z. B. durch lange Trockenheit im Sommer oder durch kalte Nächte mit darauf folgendem strahlenden Sonnenschein am Tag. Darüber gibt es im Internet sehr viele gut verständliche Aufklärung, wenn man als Stichwort Fruktan und Rehe eingibt.